Der Pionier, der kam, um die Welt zu verändern

Der Pionier ist jemand, der aufgrund seiner besonderen Qualitäten dazu auserwählt wurde, alte Glaubensstrukturen zu sprengen und neue Wege für das Kollektiv zu ebnen. 

Der Pionier nimmt hierbei mitunter großes Leid und Ablehnung auf sich, da das, was er in die Welt zum höchsten Wohle aller bringen wird, nicht immer das ist, was den derzeitigen Vorstellungen des Massenkollektivs entspricht. Das Massenkollektiv lässt ungern Abweichungen vom Istzustand zu, da es dieses als Angriff sieht. Alles soll beim Alten, Gewohnten bleiben, auch wenn dies wiederkehrenden Schmerz, Leid und Kummer für alle bedeutet.

Der Pionier gebärt sich oftmals in herausfordernde Familienkonstellationen hinein. Er lernt früh, das so, wie er ist, er nicht richtig ist. Er lernt, dass er Liebe bekommt, wenn er sich anpasst. Der kleine Pionier spürt intuitiv, dass das, was ihm seine Erwachsenen vorleben, nicht dem entspricht, wie das Leben ursprünglich gedacht ist.

Für die meisten Pioniere ist die Kindheit und das heranwachsende Alter ein Schock, denn sie fühlen sich unsicher in der ihnen fremd erscheinenden Welt. Das Einfache wird kompliziert gemacht, das was Freude macht, wird verboten und das, was keine Freude macht, wird gefördert. Das Herz blieb auf der Strecke, obwohl gerade die Frauen um ihn herum doch immer von den Geschichten von Herz und Liebe vorschwärmen und ihm sehnsuchtsvoll von der Liebe erzählen. Der kleine Pionier ist verwirrt, denn er hat doch so viel Herz! Wieso können es die Frauen und die Männer um ihn herum nicht sehen. Und gleichzeitig wird er dazu ermahnt, dass es dumm und töricht ist, auf sein Herz zu hören. Er soll Wissen anhäufen und seinen Kopf benutzen, denn sonst würde man es zu nichts bringen in der Welt. Der Pionier macht, was ihm gesagt wird, wenn auch widerwillig. Es gibt einige unter den kleinen Pionieren, die lautstark rebellieren und daraufhin mit Liebesentzug, Strafe und Pillen ruhig gestellt werden. Dann gibt es diejenigen, die schnell lernen sich anzupassen, um den Großen zu gefallen und sie bei Laune zu halten. Eines bleibt aber dennoch: Das Gefühl falsch in dieser Welt zu sein. 

Der kleine Pionier wird erwachsen und ist schneller als gedacht in der Welt der Großen drin. Die Eltern haben gesagt, dass wenn er sich nur genug anstrengen würde, er es weit bringen würde. Das hat er vollbracht. Er sitzt nun brav 40 Stunden in der Woche vor dem PC in einem stickigen Büro zusammen mit seinen Kollegen, erfüllt die Anforderungen seiner Chefs und kriegt, wenn er sich besonders anstrengt auch einen Bonus. Er hat zwar schlechte Laune am Morgen, aber er hat es laut seiner Eltern und der Gesellschaft geschafft. Sein Beziehungsleben läuft eher so la la, es ist nett, aber die Tiefe fehlt irgendwie. 

Der kleine, jetzt große Pionier ist oft traurig, versteckt seine Gefühle aber hinter einer unauffälligen Maske der Höflichkeit. Er kann das gut, sich anpassen. Er hat es schließlich ein Leben lang einstudiert. Oft sitzt der Pionier nach Feierabend zu Hause auf seinem Sofa und weint heimlich. Wieso, das weiß er selbst nicht so genau. Er hat alles. Er hat alles vollbracht, was ihm gesagt wurde. Vielleicht ist es eine Depression, die so viele von seinen Freunden befallen hat? Vielleicht grübelt er auch einfach nur zu viel? 

Der Pionier fängt an die Menschen um ihn herum näher zu beobachten und fragt sich, wieso alle so traurig und verloren ausschauen.  Er erinnert sich an das ganze Wissen, das er sich hartnäckig in seinen Kopf eingetrichtert hat und was ihn nun zu diesem Punkt geführt hat: ein Mensch, der scheinbar alles richtig gemacht hat und dessen Herz leer ist. Es fröstelt ihm bei dieser Erkenntnis und er fängt an zu weinen. 

Eines Tages passiert etwas nach außen hin betrachtet völlig Unspektakuläres. Es ist ein Tag wie jeder andere und doch ist alles, was jetzt kommt anders und neu für den Pionier. Er wacht auf und weiß alles. Er erinnert sich an alles. Er erinnert sich, wieso er wirklich hier ist auf Erden. Er hat dafür keine Worte oder Gedanken, es sind innere Bilder, die er sieht und versteht. Er ist gerührt, er weint, aber dieses Mal sind es Tränen der Freude. Er zieht seine Sachen an und geht in die Natur. Hier spürt er die Verbindung zu allem. Es ist, als ob sich der Schleier gelüftet hat. Die Natur spricht zu ihm, so wie sie zuletzt als kleines Kind zu ihm gesprochen hat. Er spürt den Hauch des Windes, er hört die Blätter, die auf und ab hüpfen. Er atmet die frische Luft ein und er weiß: Er ist jetzt geboren. Des Pioniers eigentliche Bestimmung geht nun los. 

Es fängt nicht mit einem Feuerwerk an, er behält seinen Job noch eine ganze Weile. Er lebt sein altes Leben noch eine Weile. Die Neuentdeckungen wollen verdaut werden. Der Pionier macht alles bedacht. Er hinterfragt alles, was er gelernt hat. Er lässt los, was ihm nicht mehr dient und ihn belastet. Er entdeckt die Welt des Inneren und vertieft sich da für Stunden. Er findet seine passenden Lehrer. Immer, wenn er eine Frage hat, kommt die Antwort. Der Pionier wird unabhängig. Er ist mehr allein als je zuvor und doch voller Verbindung zu allem. Er nimmt sich die Zeit für sich, er lacht wieder mehr, spielt herum und verlässt die alten Pfade. Der Pionier hat sich verändert, sein Umfeld und seine Familie merken das. Sie wollen, dass er der Alte bleibt und sagen ihm, dass er komisch sei und er wieder normal werden solle. Aber das findet kein Gehör beim Pionier. Er steht klar zu sich und folgt mit der Zeit nur noch seinem Herzen. Pläne? Kennt er nicht. Wieso, wenn alle Kraft und Schönheit im Jetzt liegt. Wieso sich eine unerreichbare Möhre vorhalten? 

Der Pionier lässt sich von Vorwürfen und Anklagen nicht beirren, denn er hat jetzt etwas entdeckt, dass so kostbar ist, dass er Risiken wie den Verstoß aus dem alten Umfeld in Kauf nehmen kann: Er hat sein Herz als Wegweiser und die Gewissheit, dass er göttlichen Ursprunges ist. 
Damit ist er kein kleines Schaf mehr, das an die Hand genommen werden muss und der Herde hinterherläuft. Er führt nun sich selbst. Der Pionier macht Dinge, die viele andere schockieren, sich aber insgeheim für sich wünschen. Er folgt nur seinem Herzen und lässt sich nicht mehr runtermachen oder irgendwelche Schuldgefühle einverleiben. Er steht für sich ein und das macht ihn stark. Der Pionier hat jegliche Eitelkeit abgelegt und auf einmal versteht er, dass alles, was auf dieser Welt fehlt und was ihm fehlte, Liebe ist. Er hat viel Mitgefühl mit den anderen noch Schlafenden, denn er weiß, wie es ist von seinem Herzen abgetrennt zu sein. 

Der Pionier trägt seinen Teil zur Welt bei und lebt dabei seine Bestimmung. Ach ja, seine Bestimmung, wie lautet die, wirst Du fragen? Ganz einfach: es ist die Bestimmung, einfach zu sein, sich selbst zu lieben und seinem Herzen zu folgen. 

Das es so einfach ist, hätte sich der Pionier nie in den Sinn kommen lassen. Wie auch, in einer Welt, in der alles so dermaßen kompliziert, verdreht wurde und in Einzelteile zerdacht und zerstückelt wurde. Der Pionier ist nicht sauer darüber, dass er so lange das Spiel mitgespielt hat. Im Gegenteil, er ist froh, dass er erwacht ist und freut sich seines Lebens. Er lebt recht einfach, hält alles im Alltäglichen einfach und macht, was ihm in den Sinn kommt. Schon bald kommen Menschen in sein Feld, die ihn fragen, wie er das alles macht und was sein Geheimnis ist. 

Der Pionier ist einen langen Weg gegangen, aber er weiß, dass er trotz Widerstand und allen anderen Widrigkeiten zum Trotz eine entscheidende Person ist in diesen Zeiten. Die ersten Schlafenden sind erwacht, entdecken den unendlichen, lichten Raum außerhalb des Zaunes und die nächsten stehen nun schon am Gatter und es reicht ein Sprung und auch sie sind frei. 

Der Pionier ist ein wundervoller Zeitgenosse, lass ihn ab und zu allein, habe Mitgefühl und Verständnis für seinen Weg und wisse, dass er für Dich und uns alle die neuen Wege der Freiheit und Liebe ebnet. 

Bist Du auch ein Pionier, der kam, um die Welt zu verändern? Dann bestärke ich Dich darin, weiterzumachen, nur Deinem Herzen zu folgen und durch Dein bloßes Sein ein Vorbild für die Welt zu sein.

2020-08-26T07:37:41+02:00 Von |Erfüllt leben, Neuorientierung|