Die Prinzessin und der Prinz

Es war einmal eine schöne Prinzessin, die sehnte sich so sehr danach geliebt zu werden. Von Kind an träumte sie von einem schönen Prinzen, der sie liebte und mit dem sie glücklich werden würde.
 
Die Jahre vergingen und ein Prinz nach dem anderen warb um die Hand der schönen Prinzessin. Diese fühlte sich geschmeichelt und doch schaffte es keiner ihr Herz zu berühren.
Eines Tages ritt ein junger, schöner Prinz daher, der von der schönen Prinzessin gehört hatte. In dem Moment, wo beide sich das erste Mal sahen, verschmolzen beide Herzen und sie verliebten sich ineinander. Sie verbrachten Zeit miteinander, scherzten, herzten und unternahmen allerlei Dinge, die verliebte Pärchen so machen.
 
Nach einiger Zeit fragte sich die Prinzessin, ob der Prinz sie wirklich lieben würde. Der schöne Prinz bekam das mit und schenkte ihr sein liebstes, wertvolles Armband als Zeichen seiner Liebe. Die Prinzessin war gerührt, band es um und freute sich sehr. Nach einiger glücklicher Zeit der Zweisamkeit fing die Prinzessin wieder an zu grübeln. Ob der Prinz sie wirklich lieben würde?! Der Prinz reagierte und wollte seiner Liebsten seine Liebe beweisen. Er zögerte kurz und schenkte ihr sogleich sein ganzes Reich (seine Eltern stöhnten auf) als Zeichen seiner unendlichen Liebe zu ihr. Die schöne Prinzessin war verzückt und überglücklich. Nach einiger Zeit fing sie wieder an zu fragen, ob ihr Prinz sie wirklich lieben würde. Der Prinz reagierte und überlegte lange. Schließlich schenkte er ihr ein Schriftstück, in dem stand, dass sein Herz auf immer ihrem gehöre und sie tun und machen könne mit ihm, was sie wolle. Der Prinzessin ward ganz warm ums Herz und sie schmolz dahin.
 
Prinz und Prinzessin lebten ab da an glücklich und zufrieden miteinander – dies könnte man meinen.
Wäre unsere Prinzessin nicht nach kurzer Zeit wieder unruhig geworden und sie fing trotz der immensen Liebesbeweise ihres Liebsten an, wieder an seiner Liebe zu ihr zu zweifeln. Der schöne Prinz, der sie so sehr liebte und sich wiederholt fragte, wie er denn nun seine Liebe zu ihr beweisen könne, war verzweifelt. Die Zeiten änderten sich und Zank und eisiges Schweigen hielten bei dem verliebten Pärchen Einzug. Die Prinzessin wollte so sehr bewiesen haben, dass ihr Prinz sie wirklich liebt. Der Prinz war verzweifelt, tat er doch alles für sie und es wurde nur noch schlimmer.
 
So ging er zur Dorfältesten, von der man sagte, dass sie eine weise Frau sei, um sich Rat für sein bekümmertes Herz zu holen.
 
Eines Tages dann wachte die schöne Prinzessin auf und tastete nach ihrem Prinzen neben sich im Bett. Sie fand eine leere Betthälfte vor. Sie suchte nach ihrem Prinzen, der gewöhnlich stets an ihrer Seite war. Er war nicht mehr da. Wo sie auch suchte, er war nicht zu finden. Zuerst hielt sie es für einen Scherz seinerseits, ein Spiel. Dann machte sie sich Sorgen und ließ das ganze Reich nach ihm absuchen. Vergeblich, der Prinz blieb unauffindbar.
 
Die Prinzessin war unendlich traurig und weinte viel. Sie vermisste ihren Prinzen und warf sich selbst die schlimmsten Dinge vor. Hätte ich ihn doch nicht so bedrängt. Hat er nicht doch seine Liebe zu mir stets auf Neue bewiesen … Zermürbende Gedanken quälten sie, tag ein, tag aus.
 
Da hörte sie, dass der Prinz vor seinem Verschwinden bei der Dorfältesten gesehen war. Schleunigst machte sie sich auf den Weg und suchte die Alte auf. Sie schilderte ihr Leid und die Alte hörte aufmerksam zu. Dann sagte sie mit ruhiger Stimme der schönen Prinzessin: mein Kind, der Prinz hat Dir den größten Liebesbeweis überhaupt gemacht.
Die Prinzessin verstand nicht ganz, denn schließlich war ihr Prinz verschwunden.
Die Alte sagte: Du willst sehnlichst geliebt werden. Der Prinz hat Dir das Größte überhaupt geschenkt, indem er verschwand. Er liebt Dich so sehr und konnte es nicht mehr mit ansehen, wie Du leidest. Zugleich hat er gemerkt, dass jegliches Geschenk, jede Bekundung seinerseits immer nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein wird. Der Prinz liebt Dich so sehr, dass er Dich Dir selbst überlässt. Damit Du lernst, die Liebe nicht länger bei ihm oder sonst wem zu suchen, sondern bei Dir selbst. Du selbst bist das größte Geschenk und die Liebe, die Du suchst. Das hat der Prinz verstanden und weil er Dich so liebt, ging er davon. Kümmere Dich um Dich, entdecke Dich, lerne Dich selbst zu lieben und Du wirst nie wieder um Liebe betteln.
 
Die schöne Prinzessin war zunächst wütend, reichlich verwirrt, dann traurig und mitunter resigniert. Die nächsten Tage, Wochen vergingen und sie gab abwechselnd dem Prinzen und der Alten die Schuld an ihrem Unglück. Die letzten Worte der Alten hallten allerdings nach und ließen die Prinzessin nicht los. Sie fing an sich zu fragen, wie die Alte das wohl meinte mit dem Sich-selbst-lieben und wie sie das anstellen solle. Nach und nach kamen die Antworten zur Prinzessin (die Alte unterstütze sie mit dem einen oder anderen Rat). Die schöne Prinzessin fing an sich zu entdecken und forschte tief in ihrem Innern, wie sie selbst sich lieben und glücklich machen könne. Anfangs dachte sie, das wäre nur eine Frage von Wochen, vielleicht höchstens sechs Monaten, bis sie ihr Ziel „sich selbst lieben und glücklich machen“ erreicht hätte. Aber die Erfahrung belehrte sie eines besseren. Die Wochen vergingen, die Monate vergingen. Und somit die Jahre. Jahre, in denen die Prinzessin so viel über sich selbst entdeckte und erfuhr, dass sie manchmal verzückt vor Freude war, welch Schätze sie in ihrem Inneren entdeckte hatte und manchmal zutiefst erschrocken war über so viel Schatten, wie sie es nannte, den sie sich genau anschaute und durchfühlte.
 
Sieben Jahre vergingen und man hätte es im gesamten Reich nicht für möglich gehalten, aber aus der verlassenen, unglücklichen Prinzessin wurde eine sich-selbst-liebende Prinzessin, die ihr Leben liebte und sich über jeden Tag freute, den sie erfüllt leben konnte. Natürlich vermisste sie den Prinzen, am Anfang so arg, dass fast ihr kleines Herz zersprang. Später lernte sie damit umzugehen und behütete den Platz für ihren Prinzen warm und liebend im Herzen.
 
Doch was wäre eine Geschichte ohne ein Happy-End?
 
Nach den sieben Jahren, die Prinzessin beschäftigte sich gerade versunken mit ihren Lieblingsblumen im Garten und sang fröhlich ein Lied vor sich her, geschah es. Sie wollte sich gerade erheben und in Richtung Schloss gehen als sie in der Ferne eine ihr sehr vertraute Gestalt sah: ihr Prinz.
Der Prinz, der sie von ganzem Herzen immer geliebt hat und ihr das größte Geschenk, das er ihr machen konnte, gemacht hat: sich selbst lieben zu lernen.
 
Zusammen sind sie heute noch glücklich, also noch glücklicher als sie es waren als sie getrennt voneinander waren und das Glücklichsein erst ein jeder für sich finden musste. Und so tanzen sie noch heute durch ihr Reich und lassen andere an ihrem Glück teilhaben.
Von | 2018-05-02T22:36:25+00:00 1. Juli, 2017|Geschichten für die Seele|

Über den Autor:

Als Coach ist es meine einfache und klare Mission andere als Impulsgeberin und Motivatorin wieder zu sich selbst zu führen, um so den Weg des Herzens zu gehen.